14.4.07

Movies


Mein Bekannter war erstaunt: "Nach einer kurzen Anlaufzeit hab ich tatsächlich alles verstanden", sagte er. "Das lag daran, dass die Schauspieler nicht genuschelt haben. Heutzutage in diesen Hollywood-Filmen nuscheln die amerikanischen Schauspieler alle", setzte er mit der natürlichen Verachtung des gebildeten Europäers hinzu, "damals konnten sie noch richtig sprechen."

Wir waren zusammen in einen alten Kinofilm (Englisch ohne Untertitel) gegangen – "To Be Or Not To Be" von Ernst Lubitsch aus dem Jahre 1942. Filme im Englischen zu schauen, im Kino oder auf DVD, ist eine gute und beliebte Möglichkeit, Englisch zu lernen, und der Effekt ist natürlich ohne Untertitel am Besten. Doch einige von uns waren noch nicht Originalversion-ohne-Untertitel erprobt und hatten befürchtet, sie würden den Film gar nicht verstehen.

Es gibt einen Grund, warum einige frühe amerikanische Filme und zahlreiche britische Filme, darunter auch moderne, leichter zu verstehen sind als die meisten modernen Hollywood-Filme, und der Grund heißt "The Method."

"The Method" ist eine Art zu spielen, die von Lee Strasberg in den 50ern in New York entwickelt wurde. Strasberg war sicher der einflussreichste Schauspiellehrer Amerikas. Seine berühmtesten Schüler waren Marlon Brando, Paul Newman, Dustin Hoffman, Al Pacino und natürlich Marilyn Monroe, die ihm im Testament 75% ihres Vermögen überlassen hat. Obwohl Strasberg vor allem für die Ausbildung von Filmschauspielern bekannt ist, arbeitete er eigentlich im Theater und erschien selbst in nur ganze wenigen Filmen, vor allem als jüdischer Gangster Hyman Roth in "Der Pate II".

Strasberg, der viele seiner Ideen wiederum von einem russischen Schauspiellehrer Konstantin Stanislavski hatte, strebte nach einer realistischeren Darstellung auf der Bühne. Also ermunterte er seine Schüler, sich in die Menschen hinter der Rolle einzudenken. Wer einen Cop spielt, sollte nicht nur seine Dialoge beherrschen, er sollte auch wissen, was ein Cop isst, denkt, wie er lebt, was er für ein Auto fährt. Er soll zum Cop werden. (Eben diese Methode wird sehr oft in Komödien hochgenommen, wie zum Beispiel in "Tootsie", wenn Dustin Hoffman in einem Werbespot versucht – wenn ich das noch richtig im Kopf habe -, sich in das Innenleben eines Gemüses einzufühlen.)

Teil der "Methode" war es, so zu sprechen, wie echte Menschen sprechen. Bis dahin hatte man nach der britischen Bühnentradition gesprochen – vor allem klar und deutlich. Jetzt sagte man sich: im echten Leben spricht kein Mensch so. Also begann man zu "nuscheln", wie die Deutschen das leicht befremdet beschrieben. Der berühmteste "Nuschler" ist sicher Marlon Brando. Obwohl die "Method" heute auch von vielen britischen Schauspielern praktiziert wird, herrscht in manchen britischen Filmen immer noch die alte Bühnentradition – manche sagen "Shakespearien tradition" – des klaren Sprechens.

Für einen Amerikaner kommt diese Art zu sprechen zwar sehr gebildet und kultiviert rüber, aber wenig realistisch. (Das ist auch ein Grund, warum wir synchronisierte Filme ablehnen und lieber Untertitel lesen – wer im Studio über einen fertigen Film spricht, tut dies meist sehr klar, deutlich… und kalt, sogar monoton. Es stört uns nicht nur, dass die Worte nicht zur Bewegung der Lippen passen, sondern auch, dass das Sprechen so künstlich wirkt. Wenn ich als Amerikaner deutsches Fernsehen schaue – ob es sich um einen deutsch synchronisierten Hollywood-Film oder um einen "Tatort" handelt – kann ich mich immer noch nicht daran gewöhnen, dass man dabei so künstlich sprechen muss.)

Das ist der Grund, warum Hollywood-Filme aus den 50ern oft besser zu verstehen sind als die danach (solange die original Tonspur nicht gelitten hat, natürlich).

24.2.07

Mean - Teil 2

Falls Sie die Post unten über "mean" gelesen haben und jetzt verwirrt sind, macht nix. Es geht nicht anders.

Mein großes Random House-Wörterbuch listet über 30 Bedeutungen für "mean" und "meaning." Das alles brauchen Sie aber nicht wissen. Sie werden nie im Leben 30 Bedeutungen von "mean" gebrauchen können. Dafür werden Sie sich selbst gewaltig durcheinander bringen, sollten Sie gegen meine Empfehlung versuchen, alle 30 zu lernen.

Eine Zweitsprache zu lernen bedeutet nicht, die ganze Sprache zu lernen (das tun auch Native Speaker nicht), sondern das zu lernen, was man braucht, und das, was nichts bringt und nur Verwirrung stiftet, geflissentlich zu ignorieren. Meine Empfehlung also: Benutzen Sie das Wort "mean" nur im Sinne von "bedeuten", und wenn einmal Ihre Meinung gefragt ist, sagen Sie "I believe", "I think" oder "My opinion is." So einfach ist das.

Für diejenigen aber da draußen, die’s nicht lassen können (und wer auf sich nimmt, eine Zweitsprache zu lernen, hat immer etwas Masochistisches an sich), hier sind die wichtigsten anderen Bedeutungen: - "gemein" im Sinne von niederträchtig ("Breaking off our relationship with a text message was just plain mean" = "Unsere Beziehung mit einem SMS zu beenden war ganz einfach gemein.") - "Mittelwert, Durchschnitt" ("The mean annual income of a citizen of Germany" = "Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines deutschen Staatsbürgers.") Übrigens, Mathematiker und Statistiker unterscheiden zwischen "mean" ("Mittelwert") und "average" ("Durchschnitt"). Wenn Sie kein Mathematiker sind, benutzen Sie lieber "average." - Das Wort "meaning" bedeutet nicht nur "Bedeutung", sondern auch "Sinn": "What's the meaning of life?" = "Was ist der Sinn des Lebens"? Auch: "That sentence is meaningless" = "Dieser Satz macht keinen Sinn." - "vorhaben" ("I meant to call you and tell you I was going to be late, but I was drunk" = "Ich hatte vor, dich anzurufen und dir zu sagen, dass ich später komme, aber ich war betrunken und habs vergessen." Auch häufig: "I didn't mean to hurt you" = "Ich wollte dir nicht Weh tun")

Es gibt da noch was. Eine schwierige Ausnahme, die Sie noch mehr durcheinander bringen werden, als Sie schon sind.

Die Regel, das wissen Sie noch, ist: Benutzen Sie niemals "mean" ("bedeuten") als Übersetzung von "meinen". Es geht doch in einem einzigen Fall: Wenn man einen Satz nicht ganz verstanden hat und Näheres erfahren will, sagt man: "What do you mean by that?" Also: "Was meinst du damit?"

Weitere Beispiele:
- "I didn’t mean all those horrible things I said" = " All die schreckliche Dinge, die ich gesagt habe, habe ich nicht so gemeint."
- "Do you know what I mean?" = "Verstehst du, was ich damit meine?"
Diese Verwendung geht immer darum, eine vorangegangene Aussage etwas klarer zu machen. Die Frage, "Was meinst du damit, du hast das Baby im Bus vergessen?" ist keine Frage nach einer Meinung, sondern nach einer Erklärung.

"When I said I hated you, I didn't mean I always hate you, I meant I hated you in that moment" = "Als ich sagte, ich würde dich hassen, meinte ich doch nicht, dass ich dich immer hasse, nur in dem Moment." In einem solchen Fall ist es doch wichtig, aufzuklären, was man wirklich meint, oder?

Obwohl diese Verwendung von "mean" auf deutsch mit "meinen" übersetzt wird, geht es genau genommen nicht um "Meinung", sondern um "Bedeutung". Wer fragt "Was meinst du damit?" fragt nicht so sehr nach einer Meinung, sondern vielmehr nach der näheren Bedeutung einer Aussage. Mit "Was meinst du damit?" sagt man eigentlich: "Erkläre die Bedeutung deiner Worte näher." Oder, in den eleganten Worten des schönen Borgs Seven of Nine (Star Trek): "Specify!"

Auch hier also bedeutet "mean" nicht "meinen", sondern "bedeuten."

Doch all diese Bedeutungen von "mean" sind gar nicht so wichtig. Das Problem mit "mean", das die meisten Deutschen haben, dreht sich allein um eine "Opinion". Wenn ein Deutscher "mean" falsch verwendet, geht es zu 99% darum, dass er "opinion" sagen will und sein Wort "Meinung" falsch ins Englische übersetzt, als "meinen". Deswegen ist es eigentlich nur wichtig, dass man sich merkt: Will man eine Meinung von sich geben, soll man nicht "meinen" sagen, sondern:

"denken" ("I think Angela Merkel is sexy");
"glauben" ("I believe George W. Bush is a bad president");
"Meinung" ("My opinion is that George W. Bush is sexy and Angela Merkel is sexy too.")

21.1.07

Mean

"I mean President Bush is not good for the reputation of America," meinte eine Freundin vor nicht allzu langer Zeit.

Es hat etwas Positives, sogar Mystisches an sich, wenn eine Deutsche einen Satz mit "I mean" beginnt. Ich will ihr darauf immer sagen: "Es stimmt, du hast eine Bedeutung, dein Leben hat ein Sinn und das Universum ist nicht kalt und bedeutungslos, halt fest an diesem Glauben: Du bedeutest."

Denn genau das hat sie mit "I mean" gesagt: "Ich bedeute."

Doch sagen wollte sie: "ich meine."

Weil die Worte sich so sehr ähneln (historisch sind sie auch wohl verwandt), glauben die meisten, "mean" und "meaning" bedeuten "meinen" und "Meinung". Stimmt nicht.

Es gibt drei Möglichkeiten, auf Englisch eine Meinung auszudrücken:

1. "Meinung" = "opinion"
2. "meinen" bzw. "denken" = "think"
3. "meinen" bzw. "glauben" = "believe"

Es gibt für "opinion" kein direktes Verb. Auf Englisch kann man gar nicht "ich meine" sagen – man muss "ich glaube" oder "ich denke" sagen. (Einmal gab es "opinion" als Verb, doch "opine" wird nicht mehr benutzt, außer in eine pseudo-antiquierten Sprache. Sollten Sie man so ein Satz lesen wie, "He opined that Bush was a good man", dann merken Sie schon: Es ist ironisch gemeint.)

Wer also seine "Meinung" von sich geben will (und die meisten Deutschen, die ich kenne, tun dies gern), muss auf "think", "believe" oder "opinion" zurückgreifen:

"What do you think about Bush?" = "Was denkst du über Bush?"
"Do you believe Bush is bad for America?" = "Glaubst du, Bush ist schlecht für Amerika?"
"What's your opinion about Bush?" = "Was ist Deine Meinung über Bush?"

Doch es gibt mehr: Mein großes Random House-Wörterbuch listet über 30 Bedeutungen für "mean" und "meaning." Keine davon hat etwas mit "opinion" zu tun, aber einige sind ähnlich – und leicht mit "Meinung" zu verwechseln.

Doch davon mehr am nächsten Sonntag…

15.1.07

Luck


"Ich traf sie in der Tram" sagte mir ein Freund, der neulich eine schöne Frau kennen lernte und sich verliebte. "Die Tram bremste ganz plötzlich und sie fiel mir buchstäblich in den Schoss. Eine Woche später waren wir total verliebt. I am very lucky."

Ich hasse solche Geschichten. Nicht, weil ich meinem Freund sein Glück nicht gönne, sondern, weil ich nicht weiß, wovon er redet. Es gibt bestimmte Worte die mich, wenn sie aus dem Munde eines Deutschen kommen, vorsichtig machen. Bei solchen Worten kommt es nämlich häufig vor, dass der Sprecher eigentlich ein anderes Wort meint.

Es geht um den Satz: "I am very lucky." Mein Freund wollte das deutsche Wort "Glück" ins Englische übertragen. Doch was meinte er damit? Meinte er, er sei in dem Sinne glücklich, dass er vor Freude im 7. Himmel schwebt? Oder meinte er bloß, er hätte Glück in der Liebe wie im Spiel, weil ihm rein zufällig eine Frau in den Schoß fiel? Das ist schon ein Unterschied. Wenn er auf Wolke 7 schwebt, dann weiß ich: Geh bloß kein Bier mit ihm trinken, er wird die ganze Zeit von nichts anderem als von dieser Frau reden. Wenn er den glücklichen Zufall meint, dann denke ich: Vielleicht hat er ja auch im Glück im Spiel – dann schlage ich gleich vor, wir gehen mal zusammen ins Casino.

Nichts verwundert uns Englischsprachige mehr als das deutsche Wort "Glück".
Dass die Deutschen überhaupt nicht zwischen "Glück" und "Glück" unterscheiden, finden wir ziemlich bedenklich. Wer das gleiche Wort benutzt, um seelisches Glück wie auch Glück im Spiel zu beschrieben, der glaubt wohl, Glück könne man sich garnicht selbst erarbeiten, sondern es sei reine Glückssache. Ein Ami würde sein Glück nie dem Glück überlassen. Wir haben das sogar in unserer Verfassung verankert. Dort heißt es nicht: "Jeder hat das Recht, einmal Glück zu haben", oder gar " Jeder hat das Recht, glücklich zu werden, wenn der Zufall es will." Nein, es heißt: "Jeder hat das Recht, nach Glück zu streben." Wenn wir Glück für reine Glücksache hielten, würden wir Amis verzweifeln.

Deswegen verwenden wir im Englischen zwei ganz verschiedene Worte, um das deutsche Wort "Glück" zu übersetzen:

Seelisches Glück = Happiness
Glück (im Spiel) bzw. Zufall = Luck.


Am Ende eines Films oder eines Buches heißt es nie: "Lucky Ending". Das wäre zynisch. Das hieße sowas wie: "Der Held hatte Glück – diesmal." Nein, man redet vom "Happy Ending", denn der Held hat die Frau erobert und grinst nun die ganze Zeit vor sich hin. Wenn Mick Jagger singt "Lucky in love" meint er nicht, er sei froh, weil er verliebt ist, sondern: Er kriegt immer irgendwie die tollen Frauen ab, so ein Zufall. Wenn einer sagt, er sei "down on his luck", heißt das, der Zufall ist irgendwie gegen ihn, alles geht schief und er hätte gern ein paar Dollar bis Dienstag. Der belgische Cowboy Lucky Luke ist nicht unbedingt glücklich, hat aber immer Glück, wenn er zielt, denn er trifft immer. Ein Boot mit dem Namen "Lady Luck" hat nichts mit einer fröhlichen Dame zu tun, sondern soll gutes Wetter beschwören. Ein "luck charm" ist ein kleines Anhängsel, das zwar nicht glücklich macht, dafür aber eine glückliche Fügung anziehen soll.

Im Falle meines Freundes, der in der Tram der Frau seines Lebens begegnete, glaube ich, dass er beides hatte: "Glück" und "Glück". Einerseits war ihm der Zufall ("luck") gewogen, weil ihm eine solche Frau in den Schoss fiel; andererseits machte ihn diese Frau verdammt glücklich ("happy"). Doch meinen tat er nur eins. Als er sagte, er sei "very lucky", wollte er eher seine seelische Verfassung betonen. Im dem Fall wäre er besser mit dem warmen, herzlich gemeinten Ausdruck "I am very happy" gefahren.

23.12.06

Christmas

Wenn Sie glauben, dass Deutschland im Globalisierungsgeschäft ein Neuling ist, sollten Sie mal die Geschichte von Weihnachten etwas genauer anschauen. Das heißt, nicht die Geschichte von der Geburt Christi, sondern, wie wir seine Geburt feiern. (Übrigens: Nicht ich, sondern meine Partnerin Astrid Ule ist die Weihnachts-Expertin, also basiert das Folgende auf eine Artikel von ihr.)

Fangen wir mit Amerikas Beitrag an. Der fette, fröhliche Mann im roten Kostüm, den wir als "Santa Claus" kennen, ist (wie fast alles, was aus Amerika kommt) maßgeblich von Ausländern erfunden worden. Thomas Nast war gebürtiger Bayer und kam nach Amerika mit seiner Mutter als er sechs Jahr alt war, im Jahre 1846. Er wurde zu einem führenden Illustrator und Karikaturist, der unter anderem Zeitungsillustrationen aus dem Bürgerkrieg machte. Für eine Serie von Weihnachtsillustrationen erfand er einen rundlichen Saint Nick, der in dem meisten Stichen die Größe eines Kindes hatte (und so auch durch den Schornstein kam). Seine Stiche waren noch ohne Farbe – als Coca-Cola dann 1931 die Figur für eine erfolgreiche Werbekampagne aufnahm, wurde Santa Claus' Kostüm rot und dabei wurde er auch wieder so groß wie ein normaler Mensch – aber immer noch fett und fröhlich.

Wie kam Nast auf die Idee, Santa Claus zu erfinden? Es war nicht seine Idee. Santa Claus ist nichts anders als seine Version von dem Sankt Nikolaus, den man in Deutschland als schlank, groß und mit einer Bischofsmitra kannte. (Jahre vorher hatte ein englischer Gedicht Santa schon die Renntiere verpasst und ihn zum "fröhlichen Elfen" gemacht; im Struwwelpeter, den Nast vielleicht kannte, trägt der Weihnachtsmann auch schon keine Mitra mehr). Nast wollte eine amerikanische Version machen: Also nahm er die Mitra weg, um der Gleichheit der Religionen genüge zu tun; und machte ihn auch niedlich und fröhlich, um ihn attraktiver zu machen. Der Name Santa Claus ist nicht seine Erfindung: Der ist nichts anders als die Amerikanisierung des holländischen Namens für Sankt Nikolaus (Nikolaus = Claus). Wir sagen immer noch neben "Santa Claus" auch "Saint Nick".

Doch auch der Sankt Nikolaus in Bischofsmütze, den die Deutschen kennen, kommt nicht aus Europa, sondern aus dem Teil der Welt, den wir heute als die Türkei kennen: Der erste Saint Nick war ein byzantinischer Bischof von Myra (in der heutigen Türkei) namens Nikolaus, der gern Geldgeschenke an arme Jungfrauen gab. Als er im vierten Jahrhundert von den bösen Römern getötet wurde, erhob man ihn zum Märtyrer und Heiliger (sein Namenstag ist der 6. Dezember).

Seine Legende war Jahrhunderte lang im noch christlichen Byzanz (heute Türkei) und vor allem in der Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) unglaublich populär. Als die Europäer dann im frühen Mittelalter Geschmack an der weiterentwickelten Kunst und Kultur der Byzantiner gewannen, importierten sie Bilder und Legende von Sankt Nikolaus gleich dazu.

Wie kam neben Saint Nick auch das "Christkind" nach Deutschland? Das hat man Luther zu verdanken. Die Protestanten wollten die heidnische katholische Neigung, Heilige anzubeten, ganz verbannen, aber Weihnachten konnten sie dem Volk einfach nicht austreiben. Da dachten sie sich: Wenn die Bescherung ein Symbol für das Geschenk der Erlösung an die Menschheit sein soll, dann sollten die Geschenke nicht von einem einfachen Mann kommen, sondern von Christus selbst. Also brachte seitdem das Christkind protestantischen Familien Geschenken zu Weihnachten. (Allerdings wissen Historiker nicht ganz, ob mit "Christkind" ursprünglich das kindliche Jesus gemeint war oder doch eher ein Kind, das zu seinem Geburt ihm Geschenke in die Krippe brachte.)

Dann passierte etwas, was ich wirklich nur "typisch deutsch" nennen kann:
Die Katholiken nahmen das Christkind neben ihrem Sankt Nikolaus auf und die Protestanten nahmen das Christkind auf und behielten trotzdem den Weihnachtsmann bei. Egal, ob ein Fest aus einem anderen Land kommt, wie Halloween und Valentinstag, oder aus einer anderen Religion, die Deutschen lassen wirklich keine Gelegenheit aus, zu feiern. Als Amerikaner, der zu Hause nur wenige Feiertage hat und auch nur einen Weihnachtstag feiert, beeindruckt es mich sehr, dass die deutschen Kinder es irgendwie geschafft haben, am 6. Dezember von Weihnachtsmann, am 24. Dezember von Christkindl und dann vermutlich auch noch am 25. Dezember von Santa Claus Geschenke einzuheimsen. Beachtlich.

Kaum andere Länder – soweit ich sehen kann – haben das Christkindl nicht adoptiert, dafür gibt es viele andere deutschen Weihnachtsbräuche, die international Karriere gemacht wurden. Der Adventkalender ("Advent calendar" oder "Christmas calendar") stammt vermutlich aus Deutschland, wie auch der Weihnachtsbaum selbst ("Christmas tree"). Die Wurzel gehen wohl auf die Zeit des Heidentums zurück, doch die frühesten historisch belegten Christbäume standen 1419 in Freiburg und dann wieder 1539 in Strassburg. Es war eine deutsche Offiziersfamilie aus Braunschweig, die den ersten historisch belegten Weihnachtsbaum nach Nordamerika brachte, und zwar nach Kanada während des Unabhängigkeitskrieges im 18. Jahrhundert. Das erklärt auch, warum unser Weihnachtslied über den Baum nicht wie die meisten unserer Weihnachtslieder aus England stammt, sondern aus Deutschland:

O Christmas tree, O Christmas tree!
How are thy leaves so verdant!
O Christmas tree, O Christmas tree,
How are thy leaves so verdant!
Not only in the summertime,
But even in winter is thy prime.
Aber nicht nur das. Auch der ganze Christbaumschmuck ("Christmas ornaments") kommt aus Deutschland. Die Glaskugeln ("Christmas balls") stammen vermutlich aus Thüringen und die kleinen Holzschnitzereien, die am Baum hängen, sowie der Nussknacker ("Nutcracker"), der Schwibbogen (in Amerika noch unbekannt), die Weihnachtspyramide ("Christmas pyramid" – in Amerika erst anfänglich bekannt) und solche Dinge stammen aus dem Erzgebirge. Wie das kam, ist die schönste Legende über die Kommerzialisierung von Weihnachten, die ich kenne:

Die meisten Orte dort lebten einst vom Silberbergbau. Als das Geschäft mit den Bergwerken zugrunde ging, suchte man nach einer neuen Einnahmequelle und kam auf Holzschnitzereien. Da wurde das Geschäft mit Weihnachten entdeckt und – schwupps! – schon hatte man den Nussknacker, das Räuchermännchen, die Weihnachtspyramide und vieles mehr erfunden und erfolgreich exportiert. Heute geht der Export weiter. Während manche Bräuche wie Baum und Weihnachtsmann international fest etabliert sind und scheinbar kein Wachstumspotential mehr aufweisen, boomt der Export von deutsche Schmuck. Amerikaner schielen nach Deutschland, sobald es um Weihnachten geht. Das Weihnachtsfachgeschäft Käthe Wohlfahrt (von vielen Deutschen als Kitschhändler verschrien) treibt das munter voran, mit Läden in den USA und zwei weiteren in Frankreich und Belgien und einem erfolgreichen internationalen Online-Vertrieb. Dazu findet die Tradition des deutschen Weihnachtsmarktes in Amerika zunehmend Freunde – ich vermute, der Weihnachtsmarkt ("Christmas market") wird in Amerika in den nächsten 10, 20 Jahren so weit verbreitet sein wie es das Oktoberfest schon ist oder wie Valentinstag und Halloween in Deutschland.

Da wäre noch ein schöner Brauch, der aus Deutschland kommt. Man wundert sich über die Amerikaner, die jedes Jahr ihre Häuser mit unglaublich vielen bunten Lichtern schmücken: Ach, diese Amis und ihr Kitsch! Doch genau dieser Brauch stammt vermutlich aus dem deutschen Erzgebirge.

Als im Erzgebirge die Bergwerke noch Geld einbrachten, entwickelte sich der Brauch, in den dunklen Winternächten Kerzen in die Fenster zu stellen, damit die müden Minenarbeiter ihren Weg nach Hause fanden. Bald wurden manche Dörfer als "Lichtdörfer" bekannt. Als das Geschäft mit dem Weihnachtsschmuck begann, wurde diese Tradition beibehalten, und bald verband man bunt erhellte Häuser im Winter nicht mehr mit den Bergleuten, sondern mit Weihnachten. Heute noch schmücken sich Dörfer im Erzgebirge wie Großrückerswalde, Mauersberg und Schneeberg mit bunten Lichtern und feiern "Lichtlfeste".

Allen wünsche ich herzlich Merry Christmas, Fröhliche Weihnachte, Joyeux Noel und Mele Kalikimaka und eine guten Rutsch - möge das neue Jahr gesegnet sein und all Ihre Hoffnungen wahr werden.

16.12.06

Kitchen

Letztens sprach ich mit einem Freund von mir, der gerade von einem sehr, sehr langen China-Aufenthalt zurückgekehrt war. Er war froh, wieder europäisches Essen serviert zu bekommen. Bevor er nach China gegangen war, hatte er chinesisches Essen gemocht. Doch nun hatte er sehr, sehr lange ausschließlich Chinesisches gegessen.

"The Chinese kitchen is terrible", schimpfte er. "It's nasty, it's fatty, it's full of terrible animals. Schweineohren, Schweinekopf, Schweinemagen. Have you ever eaten shark fin? It's somewhere between foam and sponge. The chinese kitchen is greasy, schleimig, glitschig, glibberig, eine horrible klebrige Masse. If I never have to have Chinese kitchen again, I'll be happy. Don’t tell me about Chinese kitchen."

Das alles sagte er drei Tage, bevor er wieder für einige Jahre nach China musste.

Und während seiner Rede stellte ich mir die chinesische Küche vor: Man watet durch Schweineohren, alle Oberflächen sind aus Schaum, man rutscht ständig aus, weil Fußboden, Wände und Decken voller Fett sind.

Ich war gerade dabei, ihn zu fragen, warum er denn immer in Restaurants in die Küche ging und nicht einfach vorne im Speiseraum blieb, als mir einfiel, dass er gar nicht "Küche" meinte, sondern "Küche". Nein, nicht DIE "Küche", sondern die andere "Küche." Ach, sie wissen, was ich meine.

Auf Englisch unterschieden wir zwischen

Kitchen = ein Raum mit vielen Geräten, einem Kühlschrank und Ofen, etc. (Küche), und

Cuisine = eine bestimmte Art, Essen zuzubereiten, z.B. Italian cuisine nutzt viel Knoblauch, French cuisine viel Rotwein und Chinese cuisine viel Glibberzeugs (Küche).

Seien Sie nicht überrascht, dass wir das französische Wort "Cuisine" benutzen, um eine bestimmte Art von Essen zu bezeichnen. Für uns ist Frankreich immer der Höhepunkt der Kultur, ob Ess-, Mode- oder Hoch-.

Hier ein paar weiteren Begriffe aus dem Französischen:

Hungersnot = Famine
Sehr hungrig = Famished (beide von "faim," Hunger)
Abendessen = Dinner (von "diner")
Nicht näher definierte Mahlzeit = repast (von "repas") (allerdings ist "meal" üblicher).
Kalbsfleisch = veal (von "veau")
Schnecken = escargot (von "l'escargots")
Blattsalat = lettuce (von "laitue" – wer viele Fremdworte in die Sprache aufnimmt, hat den Vorteil, nützliche Unterscheidungen machen zu können. Wenn ein Deutscher sagt, "Ich bringe den Salat", weiß ich nie, ob er den fertigen Salat mitbringt oder nur einen Kopf Eisbergsalat. Für uns ist "salad" immer eine Mischung aus verschiedenen frischen Gemüsen; "lettuce" dagegen bezeichnet nur die grünen Blätter.)
Essig = "sauce" (von "vinaigre")
Senf = mustard (von "moutarde")
Soße = sauce (von "sauce"…. ach, was sage ich da, das wissen Sie ja schon)

Das heißt nicht, dass wir jedes hergelaufene französische Wort übernehmen, nur weil es französisch ist. Es gibt auch welche, die wir – im Gegensatz zu manchen Völkern - einfach nie übernehmen würden:

"Pamplemousse"… da ziehen wir doch "Grapefruit" vor.
"Champignons"... wir sagen lieber "Mushrooms".
"Pommes frites"… wir erwähnen nicht die frittierten Kartoffeln, sondern die (geglaubte) Herkunft: "French fries".

11.12.06

Stand up

Die Deutschen haben die merkwürdigsten Gewohnheiten. Während der Rest der Welt im Bett liegen oder vielleicht auf der Bettkante sitzen, lieben es die Deutschen, auf dem Bett herumzustehen. Es passiert meistens früh morgens. Sie richten sich auf und stehen im Bett, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen. Was sie da machen, weiß ich nicht. Soweit ich feststellen kann, nehmen sie zum Beispiel ihr Frühstück nicht im Bett stehend ein, auch sonst scheinen sie nichts besonders im Stehen zu tun.

Zumindest könnte man das meinen, wenn man die Deutschen Englisch reden hört: "This morning I stood up at 6 a.m.", sagt einer dann.

Da frage ich: "Wieso? Konntest du nicht länger sitzen?"

"Nein nein", sagt der Deutsche. "Ich hatte geschlafen. Then I stood up."

"Einfach so? Auf dem Bett – stehen. Schon vor dem Kaffee?"

Irgendwann habe ich dann doch verstanden, was der Deutsche meint, wenn er sagt, er wurde auf dem Bett herumstehen: er meint nicht stand up, sondern:

Aufstehen = get up.

Stand up meint vor allem eine körperliche Handlung: Es hat rein gar nichts mit schlafen und nicht mehr schlafen zu tun. "Stand up" bedeutet einfach, sich aufrecht hinzustellen, egal, wie viel Uhr es ist und wo man gerade sitzt oder liegt. Wer im Bett liegt und von seiner deutschen Frau zum "stand up!" aufgefordert wird, rappelt sich hoch und steht dann, vermutlich in Pyjamas, auf dem Bett und fragt sich: "Was nu? Warum soll ich ausgerechnet hier stehen? Ist doch ein Bett."

"Get up" bedeutet dagegen "Aufstehen", und zwar "Nachdem man geschlafen hat." Der Vorgang hat auch was mit stehen zu tun, aber man steht meist erst auf dem Boden, nachdem man das Bett verlassen hat. In der englischsprachigen Welt gilt es nämlich als merkwürdig, im Bett zu stehen.

Hier sind ein paar weitere Verwendungen von "Stand". Alle drehen sich um ein sehr körperliches Bild: Man steht, während andere sitzen oder liegen; zieht damit Aufmerksamkeit auf sich, provoziert und zeigt Mut:

- "I'm still standing" (Ein Lied von Elton John – "Ich stehe immer noch". Er meint, nach dem Sturm und allen Krisen sind einige umgeknickt, er aber steht trotz allem noch da wie eine Eins).

- "Stand up and be counted" (Spruch – "Steh auf und lass man dich mitzählen" bzw. "Hab den Mut, Dich für die Sache öffentlich einzusetzen, an die Du glaubst.")

- "Stand up for your rights" (Spruch – "Steh auf und verteidige deine Rechte bzw. kämpf um Deine Interessen.")

(Für Beispiele von "Get up" und von anderen "Get"-Begriffe, schreibe ich später mal ein Beitrag über "Get".)

3.12.06

All

Es ist ein wirklich schlechter Tag. Alles geht schief, nichts gelingt, Sie machen alles falsch, alle sind irgendwie gegen Sie und Sie wollen das auch mal sagen dürfen – auf Englisch. Sie probieren es mit:

All is going wrong.
I do all wrong.
All are against me.
All hate me.


Oder Sie haben einen richtig guten Tag – doch auch das verbessert leider nicht Ihre falsche Verwendung von all:

All is in order.
All okay.
All clear.


"All" ist eine echte Falle für Deutsche, weil es sich so ähnlich anhört wie "alles", aber nicht das Gleiche ist. Was Sie wirklich sagen wollen, ist everyone oder everything.
Es gibt da nämlich einen grundlegenden Unterschied zwischen Deutsch und Englisch, der den armen Deutschen in ihren Bemühungen, dieser seltsamen Sprache Herr zu werden, immer wieder ein Bein stellt:

Deutsch liebt das Abstrakte.
Englisch liebt das Konkrete.


Der Deutsche sagt "Das kann MAN nicht machen." Der Engländer sagt, "YOU can't do that".
Das ist der Unterschied zwischen "alles" und everything. Wenn der Deutsche "alle" sagt, meint er die Gruppe. Bei ihm verschwindet der Einzelne in einer größeren Einheit, als ob es die Höflichkeit verbietet, Einzelne direkt anzusprechen. Höflichkeit hin oder her, das ist uns Angloamerikanern zu abstrakt. Auch wenn es um Gruppen geht, kehren wir das Individuum hervor. Wir vermeiden diesen Sammelbegriff "alles" und sagen anstatt dessen "jeder einzelne":

Heute ist jeder gegen mich.
Jedes einzelne Ding, das ich anfasse, geht schief.

Mit "allem" und "allen" suggeriert der Deutsche, dass die gesamte Menschheit mit einem gemeinsamen Willen handelt. Sowas können wir Englischsprechenden nicht glauben. Wir glauben, dass jedes Individuum einen eigenen Willen besitzt und aus eigenem Antrieb handelt. Das macht alles viel schlimmer, denn wenn nun wirklich jeder gegen mich ist, kann es schon mal passieren, dass mir etwas misslingt.
So ist es richtig:

Everything is going wrong.
I do everything wrong.
Everyone ist against me.
Everyone hates me.
Auch positiv::
Everything is in order.
Everything okay.


Es gibt natürlich Ausnahmen, vor allem in festen Begriffen. Wenn man die Gruppe nennt, zum Beispiel – eine Gruppe Pferde, eine Gruppe meiner Freunde, eine Gruppe vermeintlicher Idioten. Man braucht zwar das all nicht, doch es betont, dass wirklich alle in der Gruppe gemeint sind:

All of them (Im Gegensatz zu: Die meisten von ihnen).
"I'll show you! I'll show you all!" (Ich zeig’s euch allen – aber wirklich allen, da lasse ich keinen Einzelnen aus.)
"Can we all come?" (also auch der Trottel, den keiner wirklich mag)?
"All the Pretty Horses" (ein Romantitel – hier betont all, dass es viele Pferde gibt. Sagt man "Look at the pretty horses" kann es sich und zwei oder drei Pferde handeln.)
Wir benutzen es auch in Verbindung mit Worten, die man nur als Gruppe begreift, die man also nicht in zählbare Einheiten unterteilen kann und die auch keine Mehrzahl haben. Vor Wasser, von Liebe, von Mist gibt es keine Mehrzahl.
I hate all that crap ("Ich hasse diesen ganzen Mist".) Falsch: I hate all crap.
All good things come in threes ("Alle gute Dinge sind drei"). Falsch: All good come in threes.
Not all that glitters is gold (Nicht alles, was glänzt, ist Gold).

Wenn ich jetzt wissen will, ob Sie "alles" verstanden haben, frage ich:
"Did you understand everything?"
Sie würden dann antworten:
"I understood all."
"Falsch!" sage ich triumphierend. "You understood everything."
Dann sagen Sie: "You can take your everything and everything else about this stupid language and go jump off a cliff!"

27.11.06

Snorking


Es gibt einen ausgezeichneter Grund, den Deutschen niemals perfektes Englisch beizubringen: Ihr gutes, aber nicht perfektes Englisch ist manchmal einfach viel zu charmant, um ernsthaft darauf zu verzichten.

Ein gutes Beispiel: "Snorking."

Im Gespräch mit einer netten jungen Dame über ihren kürzlichen Aufenthalt mit ein paar Freunden in einer Jugendherberge fiel die folgende, rätselhafte Aussage:

"I wanted to sleep in the room with Tanja and Renata, but Olek was snorking. I could hear him snorking from outside the door. So I went to sleep in another room, and I listened outside the door first to see if anyone was snorking inside. Two men were sleeping in there, and men are always snorking, but I didn't hear any snorking, so I found a bed in that room and slept there. Later I asked Renate and Tanja if it didn't bother her that Olek was snorking, but she said she didn't notice. Do you think I was only imagining all that snorking?"

Die wildesten Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was war snorking? Meinte sie vielleicht snorkling ? Schnorkeln? Kann es sein, dass die Jugendherberge völlig überflutet war und Olek die Gelegenheit für sein Unterwasserhobby nutze? Hatte es etwas mit Sex zu tun? Die Briten sagen snogging zum heftigen Küssen, und wenn Amerikaner sehr grob über Sex reden, sagen sie porking (pork bedeutet Schweinefleisch - Sie können sich vorstellen, was sie damit meinen). Snorking konnte demnach nur eine Kombination aus heftigen Küssen und deftigem Sex sein. Immerhin war die junge Dame Autorin. Die gehen gerne kreativ mit Sprache um.

Ich war gerade dabei, mir die Telefonnummern von Olek, Renata und Tanja geben zu lassen, als sie mir hörbar vorführte, was Snorken ist. Da verstand ich: Sie meinte "Schnarchen".

Ich klärte sie auf, dass man auf Englisch to snore bzw. snoring sagt.

Allerdings bedaure ich das inzwischen. Ich hoffe, dass sie ihre Lektion nicht gelernt hat, denn "snorking" ist ein viel zu schönes Wort. Es ist schade, dass es dieses Wort noch nicht gibt und es wäre nur lobenswert, wenn die junge Dame es schaffen sollte, das Wort in die englische Sprache einzuführen.

7.10.06

Dear


Der schönste Fehler – mein Lieblingsfehler – der mir ein guter Freund jemals sagte (und zwar immer wieder) war: "Mein Lieber."

Das heißt, er glaubte, "Mein Lieber" zu sagen. In Wahrheit sagte er etwas ganz anderes, denn er übersetzte die Worte ganz einfach ins Englische:

"My dear." Also "Mein Schatz".

Wer "Mein Lieber" meint, sagt besser: "My Friend" oder "Buddy", oder gar, wie ältere Menschen in England einmal zu sagen pflegten: "Old boy" (aber dann bitte mit Ironie).

Ich bin sicher, als eingefleischter Macho hätte mein guter Freund sich dafür geschämt, hätte er gewusst, was er sagte. Ich fand es aber ziemlich süß. Also habe ich ihn nie darauf hingewiesen.